BUND Kreisverband Wiesbaden

Auf der Spur des Gartenschläfers im Stadtwald Wiesbaden

BUND Wiesbaden sucht Helfer*innen für die Kontrolle von Spurtunneln

Foto: Rolf Wegst

Gartenschläfer sind im Stadtgebiet Wiesbaden bekannte Mitbewohner in Haus und Garten. Ob sie auch im Stadtwald leben, möchte nun der Kreisverband Wiesbaden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausfinden. Sogenannte Spurtunnel sollen dabei helfen, der Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ – im wahrsten Sinne des Wortes – im Bahnholz im Wiesbadener Norden auf die Spur zu kommen. Die Untersuchung ist Teil des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird.

Für die Aktion, die Ende Juni startet und bis Ende September läuft, werden interessierte Naturfreund*innen gesucht, die den BUND bei der Kontrolle der 100 Spurtunnel unterstützen. Die kleinen Röhren sind an Bäumen und Sträuchern angebracht und werden aus Neugier von den Gartenschläfern erkundet. Diese müssen dabei erst über natürliche Farbe, dann über ein weißes Blatt Papier laufen und hinterlassen so ihre Fußabdrücke, die eindeutig von denen anderer Kleinsäuger unterschieden werden können. 

Bei jedem der acht bis zehn Kontrollgänge (etwa alle 10 Tage) werden von einer Einzelperson oder einem Team jeweils 25 Spurtunnel abgelaufen und geprüft, ob Spuren zu finden sind.  Wenn ja, wird das Spurblatt mitgenommen, ein neues eingesetzt und die Farbe erneuert. Ein Kontrollgang dauert etwa zwei Stunden. Die Tunnelstrecken verlaufen nicht immer entlang von Waldwegen, sondern führen durch den Wald, festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind demnach Voraussetzung. „Wir würden uns sehr freuen, wenn uns Naturfreundinnen und Naturfreunde bei unserem spannenden Projekt unterstützen, gerne auch im Team oder als Familie, sodass man sich mit den Kontrollen abwechseln oder bei Abwesenheit vertreten kann“, so Julia Beltz vom BUND Wiesbaden. Zum Start des Projekts wird es vor Ort eine ausführliche Einführung in die Methodik und in das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ geben – selbstverständlich unter der Berücksichtigung der zu diesem Zeitpunkt geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Interessierte wenden sich bitte per Mail unter gartenschlaefer(at)bund-hessen.de oder per Telefon: 069 677 376 16 an Susanne Steib vom BUND Hessen.

 Hintergrund

Der Gartenschläfer ist in Wiesbaden zwar recht häufig anzutreffen, doch aus vielen Regionen Europas und Deutschlands ist er in dramatisch kurzer Zeit verschwunden. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Justus-Liebig-Universität Gießen und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die „Spurensuche Gartenschläfer“ ins Leben gerufen. Bis 2024 sollen eine umfassende Forschung und intensive Schutzmaßnahmen dabei helfen, den Gartenschläfer als heimische Tierart in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren. Dabei werden die Forscher von vielen Freiwilligen unterstützt, die neben den Spurtunneln auch Nistkästen kontrollieren sowie lokale Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Gartenschläfer ist eine sogenannte ‚Verantwortungsart‘. Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes liegt hier, so dass Deutschland für die Erhaltung dieser Art in hohem Maße verantwortlich ist.

Weitere Informationen:

Flyer

www.gartenschlaefer.de und

www.bund-hessen.de/gartenschlaefer

Gartenschläfer werden munter – Naturschutz und Forschung starten Spurensuche 2020. Machen Sie mit!

Frankfurt am Main. Wenn die Gartenschläfer in diesen Wochen ihren Winterschlaf beenden, stehen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wieder bereit: Seit 2019 erforschen sie, warum die kleine Schlafmaus mit der typischen „Zorro-Maske“ vielerorts in Deutschland und Europa in dramatisch kurzer Zeit verschwunden ist. Ihr Ziel: Den Gartenschläfer als heimische Tierart in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren. Unterstützen können alle, die einen Gartenschläfer gesehen haben, indem sie ihren Hinweis auf www.gartenschlaefer.de eintragen. Gefördert wird das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Erste Geheimnisse konnten die Naturschützer*innen und Forscher*innen mit ihrer Spurensuche bereits lüften. Allein in Hessen sind bereits 453 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die während des Winterschlafs der Tiere ausgewertet wurden. Die regionalen Unterschiede fielen besonders auf: „Während wir aus Wiesbaden, dem Main-Taunus-Kreis und dem Kreis Groß-Gerau sehr viele Hinweise bekamen, erreichten uns aus Mittelhessen, der Bergstraße und dem Odenwald so gut wie keine Meldungen“, erklärt Susanne Schneider, Projektkoordinatorin beim BUND Hessen. „Dass die Unterschiede so deutlich sind, beunruhigt uns. Denn es scheint, dass der Gartenschläfer in vielen seiner ursprünglichen Verbreitungsgebiete verschwunden ist.“

Auch in diesem Jahr soll deshalb weiter geforscht und die „weißen Flecken“ auf der Verbreitungskarte geschlossen werden. Wer einen Gartenschläfer gesehen oder gehört hat, kann direkt mithelfen: Melden Sie Ihren Hinweis auf www.gartenschlaefer.de, gerne mit Foto oder Audioaufnahme. Denn nicht nur die Gesichtszeichnung mit den dunklen Ringen um die Augen ist beim Gartenschläfer unverkennbar, sondern auch seine Stimme – nachzuhören auf www.gartenschlaefer.de/geraeusche.

Obwohl der Gartenschläfer eine heimische Tierart ist, gibt es zu ihm und dem dramatischen Rückgang seiner Bestände noch viele offene Fragen: Auf welche Lebensräume ist er angewiesen? Gibt es Krankheiten, die ihm zusetzen? Wie steht es um das Nahrungsangebot? Und vieles mehr. „Da wir die Tierart vor dem Aussterben bewahren wollen, müssen wir Antworten finden und ein wirkungsvolles Schutzkonzept entwickeln und umsetzen“, so Schneider. „Das ist ebenso Teil unserer Spurensuche.“

 

Weitere Informationen:

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